Wer sind eigentlich die Mormonen?

nach Präsident Gordon B.Hinckley

Wer sind eigentlich die Mormonen?

Diese Frage hat man in den letzten anderthalb Jahrhunderten oft und ernsthaft gestellt. Im Lauf der Jahre sind darauf verschiedene Antworten gegeben worden. Allein die Bücher, die zu diesem Fragenkomplex geschrieben worden sind, füllen viele Meter Bibliotheksregale. Unzählige Artikel, Zeitschriften und Zeitungen sowie Broschüren und Predigten haben sich mit diesem Thema befaßt. In der Anfangszeit des Mormonismus waren diese Schriften und Ansprachen größtenteils von blindem Vorurteil geprägt, denn die Frage wurde meistens in einer Atmosphäre von Unwissenheit und Bigotterie gestellt.

Glücklicherweise hat sich das geändert.

 

Eine ehrliche Frage verdient eine ehrliche Antwort.

Was sind eigentlich Mormonen?

Wer sind sie?

Was glauben sie?

Was haben sie für ein Programm?

Wie sind sie organisiert?

Dieser Artikel gibt eine präzise Antwort auf diese Fragen, und zwar aus berufenem Mund.

 

Wer sind sie?

Die Menschen, die sich im ersten Jahrhundert zur Kirche Christi bekehrten, wurden Christen genannt.

So ist es auch im 20. Jahrhundert: Die Menschen, die der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage angehören, sind, weil sie Christus folgen, ebenfalls Christen. Da sie aber zusätzlich zur Bibel auch an das Buch Mormon glauben, hat sie der Volksmund als "Mormonen" bezeichnet. Dieser Name hat allmählich der Benennung Heilige der Letzten Tage Platz gemacht.

Auch hier ist eine Erklärung angebracht: Dem Ausdruck "Heilige" ist nicht die Bedeutung beizulegen, die sich aus der Tradition und den Bräuchen der römisch-katholischen Kirche entwickelt hat, sondern muß in dem gleiche Sinn gebraucht werden, den Paulus meinte: Er hat alle diejenigen als Heilige angesprochen, die sich der Urkirche angeschlossen hatten. Die Mormonen betrachten sich nur insofern als Heilige, als sie an Jesus Christus glauben und seiner Kirche angehören.

 

Protestanten oder Katholiken?

Die Mormonen werden meist als Protestanten eingestuft, weil sie keine Katholiken sind. Tatsächlich stehen sie aber dem Protestantismus um nichts näher als dem Katholizismus. Sie können weder historisch noch aufgrund heutiger Denkweise, Theologie und Glaubensform in eine der beiden Gruppen eingereiht werden. Die Bewegung ist ja nicht aus einem Meinungsstreit mit irgendeiner bestehenden christlichen Glaubensgemeinschaft entstanden, auch nicht durch Spaltung innerhalb einer religiösen Gemeinschaft. Wir werden den Ursprung noch im einzelnen besprechen. Hier genügt es darauf hinzuweisen, daß ihre Gotteslehre, ihre Organisation und ihre Bräuche in vieler Hinsicht unter den heutigen christlichen Gemeinschaften einzigartig dastehen.

 

Wer sind diese Menschen?

Es sind Arbeiter, Angestellte, Bankleute, Landwirte, Lehrer, Ärzte, Kaufleute- Angehörige fast aller Berufssparten. man findet sie in verantwortlichen Positionen in der Regierung, in der Geschäftswelt, in der Industrie, ebenso an den Fakultäten vieler großer amerikanischer und auch einiger deutscher Universitäten.

Ganz allgemein, es sind Menschen, wie alle anderen. Sie tragen keine charakteristische Kleidung, bekennen sich aber zu einigen charakteristischen Glaubenslehren und haben einige ungewöhnliche Leistungen aufzuweisen.

 

Wo leben sie?

Der schnell wachsenden Mormonengemeinde gehören bereits über 9 Millionen Menschen an.

Überall auf der Welt hat diese internationale Kirche ihre Mitglieder. Zweige der Kirche finden sich in jedem Bundesstaat der USA, in allen Provinzen Kanadas, in jeder Grafschaft in England. Es gibt sie in Schottland, in Irland, in jedem nichtkommunistischen Land Europas, in vielen kleinen, aber schnellwachsenden Gruppen auch hinter dem ehemaligen "Eisernen Vorhang". Rund um den Erdball findet man Gemeinden der Heiligen der Letzten Tage in der ganzen Südsee, in Asien, Australien, Afrika und Südamerika.

In allem Grundsätzlichem ist der Mormonismus etwa in Nürnberg derselbe wie in Mexiko oder Salt Lake City. Seine Lebensanschauung, seine Lehren, seine örtlichen Organisationen sind auf der ganzen Welt gleich. Wie nicht anders zu erwarten, sind natürlich in den Gebieten, wo die meisten Mitglieder leben und wo sich das Werk schon über einen verhältnismäßig langen Zeitraum erstreckt, die kirchlichen Einrichtungen besser entwickelt und die erbrachten Leistungen größer als anderswo.

Die Mehrheit der Mitglieder lebt in den USA, und davon wiederum in Utah mehr als in irgendeinem anderen Bundesstaat, obwohl es einen beachtlichen Prozentsatz von Heiligen der Letzten Tage unter der Bevölkerung von Idaho, Arizona, Kalifornien und der anderen westlichen Staaten gibt. Starke Gemeinden sind auch in den meisten großen Städten Nordamerikas zu finden.

Eine Erhebung im Jahr 1980 hat ergeben, daß 68% Prozent der Bevölkerung Utahs nominell Mormonen sind und 62% der Einwohner von Salt Lake City in der Mitgliederkartei der Kirche erscheinen. Deshalb - und weil das zentrale Hochland der Rocky Mountains ursprünglich von den Mormonen besiedelt wurde - wird Salt Lake City als Mormonenstadt und Utah als der Mormonenstaat bezeichnet, allerdings nur von Leuten, die nicht dort wohnen.

Die Einwohner selbst, seien sie Mormonen oder nicht, beschäftigen sich kaum mit dieser Frage. Es gibt keine sichtbaren Klassenunterschiede und keine Anzeichen von religiösem Fanatismus. (In Salt Lake City gibt es nicht weniger als 50 verschiedene Glaubensgemeinschaften) Einer der angesehensten Bürgermeister der Stadt war Jude, ebenso auch einer der hervorragendsten Gouverneure des Bundesstaates.

Natürlich kann man nicht alle Mitglieder der Kirche als streng religiös bezeichnen. Wie in anderen großen Organisationen gibt es auch hier Menschen, die nur dem Namen nach Mormonen sind, aber ein ungewöhnlich hoher Prozentsatz Mitglieder praktizieren ihre Religion.

In einigen Orten besuchen so viele die Kirche, daß es notwendig geworden ist, sie in zwei oder drei voll organisierte Gruppen mit jeweils eigenen Versammlungen zu teilen, damit sie alle in dem einen verfügbaren Gebäude untergebracht werden können. In vielen Gotteshäusern der Mormonen halten vier oder gar fünf solche Gruppen von mehreren hundert Mitgliedern ihre Versammlungen ab. Am Sonntag ist in jedem dieser Gebäude nach einem sorgfältig ausgearbeiteten Zeitplan von morgens bis abends Betrieb.

Außerdem gibt es an den Wochentagen noch sportliche Veranstaltungen, gesellige Zusammenkünfte, kulturelle Darbietungen, Arbeitsgemeinschaften und besinnliche Stunden - alles genau geplant, damit kein Terminkonflikt auftritt. Da aber die regulären Zusammenkünfte auf den Sonntag konzentriert sind, bleibt den Mitgliedern unter der Woche mehr Zeit für das eigene Lernen, für den Dienst am Nächsten und für die Familie. Die ständige Zunahme an Mitgliedern und der vermehrte Besuch der Gottesdienste haben es notwendig gemacht, ein umfassendes

Bauprogramm ins Leben zu rufen.

 

Wie ist die Kirche organisiert?

Dort, wo die Mitglieder der Kirche dichter beisammen wohnen, gehört jedes einer Gemeinde an, in Gebieten mit geringerer Dichte einem sogenannten Zweig. Beides sind kirchliche Einheiten, einer Pfarrgemeinde vergleichbar, und sie erfassen alle Mitglieder innerhalb eines bestimmten Gebietes.

Die Gemeinde umfaßt gewöhnlich 200 bis 1100 Mitglieder. In Städten wie Salt Lake City erstreckt sich eine Gemeindegebiet vielleicht auf nur drei oder vier Wohnblocks, während es in einer ländlichen Gegend viele Quadratkilometer sein können. Ursprünglich hatte jede Gemeinde ihr eigenes Gebäude mit Gottesdienstsaal, Mehrzweckhalle und Unterrichtsräumen, aber wie schon erwähnt, müssen sich in den letzten Jahren vielfach zwei oder mehr Gemeinde ein Gebäude teilen.

Immer eine Anzahl von Gemeinden bilden eine größere kirchliche Einheit, die Pfahl genannt wird, vergleichbar etwa einer Diözese. In der Kirche gibt es 1994 mehr als 21 774 Gemeinden, die in mehr als 2008 Pfählen in 157 Nationen organisiert sind: in allen Teilen der USA und Kanadas, in Europa, in der Südsee, in Mittel - und Südamerika, in Südafrika und in einigen Gebieten des fernen Ostens.

Dort, wo die Mitglieder weiter verstreut leben, werden sie von den 303 Missionen betreut, die überall auf der Welt eingerichtet sind. Eine Mission besteht aus Distrikten, die ihrerseits auf Zweige gegründet sind.

Wie steht es bei den Mormonen mit den Geistlichen? Da findet man nach heutiger Vorstellung eher Ungewöhnliches. Es gibt keine bezahlte oder professionelle Geistlichkeit. Nur eine minimale Anzahl von Führungskräften mit weltweitem Aufgabengebiet sowie die Missionspräsidenten bekommen ihren Lebensunterhalt von der Kirche bezahlt. Dazu kommen noch die notwendigen Fachleute und Bürokräfte, die ihre gesamte Arbeitszeit der Kirche widmen. das sind die einzigen, die man als bezahlte Mitarbeiter bezeichnen kann. Die große Last der Arbeit und Verantwortung wird vielmehr von den Mitgliedern selbst getragen und diese erhalten keinerlei finanzielle Vergütung - im Gegenteil, sie stellen großzügig ihre eigene Zeit und ihre Fähigkeiten, aber auch finanzielle Mittel zur Verfügung.

Jeder Gemeinde steht ein Bischof vor. Er ist vielleicht Rechtsanwalt, Landwirt, Mechaniker, Professor oder geht irgendeinem sonstigen achtbaren Beruf nach. Er muß rechtschaffen, fleißig und der Kirche ergeben sein. Er muß unter seinen Mitmenschen einen guten Ruf genießen. Seine Aufgabe ist der des Pfarrers oder Priesters in anderen Glaubensgemeinschaften ähnlich. Er bereitet Gottesdienste vor und leitet sie, er erteilt Kranken einen Segen, sorgt für die Armen, führt Beerdigungen durch und erledigt zahlreiche andere Obliegenheiten, die sich aus der fürsorglichen Betreuung einer großen Gruppe von Menschen ergeben.

Wie kann er das alles schaffen und dabei noch den eigenen Lebensunterhalt verdienen? Es ist doch eigentlich einen schwere Bürde, wenn sie auch allgemein freudig getragen wird. Ein Mann allein kann sie unmöglich tragen. Die Lösung heißt Organisation. In der Kirche hat jeder, der aktiv und dafür alt genug ist, irgendeine Aufgabe, vielleicht sogar mehrere.

Gewöhnlich findet man die größte Begeisterung für die Kirche bei denen, die am meisten tun. Die Organisation, die dies ermöglicht, wird in einem der folgenden Abschnitte besprochen werden.

 

Was glauben sie?

Die Heiligen der Letzten Tage beziehen in ihre Religion sämtliche sittlichen Grundsätze und grundlegenden Lehren des Neuen Testamentes ein. Sie lehren die goldenen Regel und daß gute Werke, Glaube. Umkehr und Taufe, Tugend und Ehrenhaftigkeit notwendig sind, daß das Beten wichtig und wirksam ist. In dieser Hinsicht mag man in ihnen eine von vielen christlichen Konfessionen sehen.

Dennoch werden sie oft für Ketzer gehalten; denn die offiziellen Glaubensbekenntnisse der römischen Kirche und der Protestanten sind kein Teil ihrer Gotteslehre. das ist auch nicht zu erwarten, da ja der Mormonismus nicht aus irgendeiner anderen heutigen Kirche hervorgegangen ist.

er geht von den Lehren der Bibel aus. Diese sind durch neuzeitliche Offenbarung ergänzt, und diese Kombination gibt dem Mormonismus seine besondere Kraft und Eigenart.

 

Gott und Mensch

An erster Stelle in der Lehre der Mormonen steht der Glaube an Gott Vater und an seinen Sohn Jesus Christus und an den Heiligen Geist. Aber die mormonische Vorstellung schlägt sich nicht in vagen Glaubensbekenntnissen nieder; sie ist einfach und unumwunden.

Gott hat menschliche Gestalt. Er ist ein persönliches Wesen. Er spricht und hat zu den Menschen gesprochen. Er ist erhöht; er ist allweise und allmächtig. Er ist aber auch barmherzig und gütig. Er ist der Vater des Geistes eines jeden Menschen, und er nimmt intensiv Anteil an seinen Kindern. Sein Werk und seinen Herrlichkeit sind mit ihrem ewigen Wohlergehen untrennbar verbunden.

Jesus Christus ist sein Sohn, im Fleisch gezeugt. Er hat gelebt, ist gestorben und dann in dem buchstäblichen Sinne auferstanden, wie es das Neue Testament berichtet. Er ist, wie es einem noch vor Erschaffung der Welt gefaßten Plan entspricht, der Erretter und Erlöser der Menschen. Er lebt auch jetzt und ist nach Gestalt und Person ein eigenes Wesen.

Der Heilige Geist ist eine Person aus Geist, aber dabei doch eine festumrissene Persönlichkeit. Unter anderem wirkt er als Offenbarer: durch ihn können wir " von allem wissen, ob es wahr ist " (Moroni 10:5), und, sofern wir Umkehr üben, geheiligt und von Sünde gereinigt werden (siehe 3. Nephi 27:19f.).

Diese drei Personen bilden die Gottheit. Diese Lehre ist klar und deutlich. Sie gründet sich auf ein bemerkenswertes Geschehnis: Gott Vater und Jesus Christus offenbarten sich Joseph Smith als Antwort auf dessen Gebet. (Der ausführliche Bericht darüber findet sich u. a. auch in der Broschüre " Das Zeugnis von Joseph Smith".)

Diese Lehre wirkt sich sehr stark aus, denn diejenigen, die sie glauben, beten zu einem persönlichen Gott, der ihnen nahe ist.

 

Und der Mensch?

Der Mensch ist in Wirklichkeit ein Kind Gottes, und nichts im ganzen Universum ist wichtiger als er. Sein Geist ist von Gott gezeugt worden, und deshalb sind alle Menschen buchstäblich Brüder und Schwestern.

In der mormonischen Vorstellung nehmen die Begriffe "Gott Vater" und "mein Bruder Mensch" eine sehr tiefe Bedeutung an.

Der Mensch ist die Krone der göttlichen Schöpfung. Für ihn ist die Welt erschaffen worden, und sein Wohlergehen ist die Hauptsorge des Vaters. Gott macht aber die Menschen nicht zu bloßen Schachfiguren; er redet zu und lenkt, aber er zwingt nie. Der Mensch kann frei seinen Weg selbst wählen. In der Gotteslehre der Mormonen gibt es keine Vorherbestimmung (Prädestination). Entscheidungsfreiheit ist eine heilige Gabe Gottes. Und die Antwort auf die alte Frage: " Wieso läßt Gott, wenn er seine Konder wirklich liebt, Krieg und Streit und ähnliche Übel zu? " lautet: Weil er das dem Menschen verliehene Recht, sich zwischen Gut und Böse, zwischen Leben und Zerstörung seinen Weg selbst zu wählen, nicht antastet.

Hilft Gott denen, die ihn suchen? Gewiß, aber alle Segnungen beruhen darauf, daß man Gesetze befolgt. Der Mensch muß daher den göttlichen Prinzipien entsprechend leben, so daß er alle Segnungen Gottes in Anspruch nehmen kann. Nur wer nach Gott strebt und sich bemüht, seinen Willen zu tun, darf ihn beanspruchen.

 

Wie lange dauert das Leben?

Der Mensch ist ein ewiges Wesen. Als Geistwesen hat er schon vor dem Erdenleben existiert. Der englische Dichter Wordworth (1770-1850) hat diese großartige Wahrheit in folgenden unsterblichen Zeilen gefaßt:

Geburt ist nur ein Schlaf und ein Vergessen;

die Seele, die mit uns entsteht, der Lebensstern,

ist vor dem anderswo gewesen,

und kommt von fern:

und nicht in Allvergessenheit,

und nicht in nackter Häßlichkeit,

nein, herrlich wie ein Morgenrot,

so kommen wir aus unserer Heimat -

GOTT!

das irdische Leben in einem sterblichen Körper ist nur ein weiterer Schritt auf einem langen, ewigen Weg. Hier können wir Erfahrung sammeln, wachsen, uns verbessern. Und entsprechend dem, was wir hier glauben und tun, werden wir im Jenseits weiterleben und uns fortentwickeln.

Im künftigen leben werden wir nicht einfach zwei festgesetzten Gruppen zugeordnet - Bewohner des Himmels oder der Hölle - , sondern Jesus hat gesagt: " In meines Vaters Haus gibt es viele Wohnungen. " (Johannes 14:2) Es wird verschiedene Abstufungen geben; wir werden uns betätigen und werden lernen. Wir werden uns dort genauso kennen, wie wir uns hier gekannt haben. Unsere Individualität bleibt erhalten.

"Jeglicher Grundzug der Intelligenz, den wir uns in diesem leben zu eigen machen, wird mit uns in der Auferstehung hervorkommen. " (LuB 130:18.) "Die Herrlichkeit Gottes ist Intelligenz. " (LuB 93:36) Das sind Leitsätze der Mormonen. Das Leben hat Zweck und ist auf Fortschritt gegründet. Es führt zu Gott.

In der Lebenseinsicht der Mormonen gibt es keine Reinkarnation (Wiedergeburt), kein Nirwana, keinen statischen Himmel und keine heiße Hölle. Der Himmel besteht darin, daß man aufgrund von eigener Leistung und eigenem Fortschritt wächst; er ist der Ort, wo diejenigen sein werden, die dieses Ziel durch Befolgen der Gebote Gottes erreicht haben.

 

Priestertum

Im Mormonismus hat Priestertum ungefähr die gleiche Bedeutung wie in anderen Kirchen - nämlich die Vollmacht, im Namen Gottes zu handeln. Doch ist es bei den Mormonen nicht auf einige wenige beschränkt, die in Seminaren und auf Universitäten dafür geschult worden sind.

Jeder Mann und jeder Junge ab zwölf Jahren kann das Priestertum tragen - vorausgesetzt, er befindet sich mit den Grundsätzen der Kirche im Einklang.

es gibt zwei Ordnungen des Priestertums: die Aaronische und die Melchisedekische. das Aaronische Priestertum besorgt die zeitlichen (weltlichen) Angelegenheiten der Kirche. Das Melchisedekische Priestertum ist die höhere Ordnung und schließt darum nicht nur die gesamte Vollmacht des Aaronischen mit ein, sondern befaßt sich hauptsächlich mit geistigen Belangen.

Innerhalb dieser zwei Ordnungen gibt es verschiedene Ämter: Diakon, Lehrer und Priester im Aaronischen, Ältester, Siebziger und Hoher Priester im Melchisedekischen Priestertum. Jungen werden mit zwölf Jahren zum Diakon ordiniert, sofern ihre Lebensweise mit den Grundsätzen des Evangeliums im Einklang steht. Mit zunehmendem Alter werden sie dann ihrer Entwicklung und ihrem geistigen Wachstum entsprechend zu weiteren Ämtern ordiniert. Jedes Amt hat seine besonderen Aufgaben, seine besondere Kraft. Dazu gehört die Vollmacht, zu taufen, das Abendmahl zu spenden, verschiedenen Gruppen vorzustehen und - im höchsten Fall - über die gesamte Kirche zu präsidieren.

Diese Priestertum hat zwar die Vollmacht inne, die Kirche zu leiten und die Mitglieder in ihrer religiösen Aktivität zu lenken, aber die Art und Weise, wie es ausgeübt werden soll ist klar beschrieben. das Gesetz der Kirche, von dem wir glauben, daß Gott es verkündet hat, lautet: " Kraft des Priestertums kann und soll keine Macht und kein Einfluß anders geltend gemacht werden als nur mit überzeugender Rede, mit Langmut, mit Milde und Sanftmut und mit ungeheuchelter Liebe, mit Wohlwollen und mit reiner Erkenntnis, wodurch sich die Seele sehr erweitert - ohne Heuchelei und ohne Falschheit. " (LuB 121:41f.)

 

Offenbarung

Von grundlegender Bedeutung in der Gotteslehre der Mormonen ist das Prinzip neuzeitlicher Offenbarung. " Wir glauben alles, was Gott offenbart hat, und alles, was er jetzt offenbart; und wir glauben, daß er noch viel Großes und Wichtiges offenbaren wird, was das Reich Gottes betrifft. " (9. Glaubensartikel.) Dies ist die offizielle Formulierung der Lehre.

Christen und Juden glauben im allgemeinen, daß Gott sich in früheren Zeiten offenbart und erwählten Männern Weisung erteilt hat. Die Mormonen stehen auf dem Standpunkt, göttliche Führung sei in unserer modernen, komplizierten Welt ebenso notwendig - wenn nicht sogar viel notwendiger - als in der relativ einfachen Zeit der Hebräer. Die fundamentale Wahrheit, die im Alten und Neuen Testament dargelegt wird, ist heute noch genauso bindend wie zur Zeit ihrer Verkündigung; unser heutiges Leben stellt uns aber vor Probleme, die vor Jahrhunderten noch unbekannt waren. Außerdem hat man einige Lehren der Bibel so unterschiedlich ausgelegt - weil eben der Bericht nicht eindeutig ist - , daß viele denkende Menschen nicht mehr wissen, was sie glauben sollen.

Wenn Gott früher gesprochen hat - darf man dann nicht vernünftigerweise annehmen, daß er auch heute sprechen kann? Welcher Mensch dürfte Gott das Recht verweigern wollen, sich zu äußern?

Kurz, der Mormonismus nimmt für sich in Anspruch, die neuzeitliche Offenbarung alter Grundsätze zu sein, die mit neuem Nachdruck und in Vollständigkeit von Gott in unserer Zeit kundgetan worden sind.

 

Wie steht es mit der Bibel?

Die Bibel ist das von Menschen geschriebene Wort Gottes. Sie ist in der Lehre der Mormonen grundlegend. Die Heiligen der Letzten Tage sind sich aber bewußt, daß sich in Folge der Art und Weise, wie das Buch zu uns gelangt ist, Fehler in dieses heilige Werk eingeschlichen haben. Außerdem halten sie sie, als Richtlinie gesehen, nicht für vollständig.

Dutzende von unterschiedlichsten kirchlichen Organisationen und einander widersprechende Auslegungen grundlegender Lehren, die zur Entstehung von vielen hundert Glaubensgemeinschaften geführt haben, bezeugen die Unzulänglichkeit der Bibel.

Zusätzlich zur Bibel haben die Heiligen der Letzten Tage drei weitere Bücher, die zusammen mit ihr die vier Standardwerke der Kirche bilden. Es sind dies das Buch Mormon, das Buch 'Lehre und Bündnisse' und die Köstliche Perle .

Die darin enthaltenen Lehren stehen in keinem Widerspruch zu denen der Bibel. Sie bestätigen vielmehr den göttlichen Ursprung der hebräischen Schriften und tragen viel zur Klärung von darin erwähnten Lehren bei, über die seit Jahrhunderten gestritten wird.

 

 

Die Ehe

In vielen Menschen weckt das Wort Mormonismus nur eine einzige Gedankenverbindung: Vielehe. Das ist überall auf der Welt das Thema von schrecklichen Geschichten gewesen. Früher waren solche Erzählungen sehr beliebt, aber als die Tatsachen bekannt geworden sind, haben die Geschichten so ziemlich aufgehört.

Die Wahrheit ist die: Der Mormonismus nimmt für sich in Anspruch, die Wiederherstellung all dessen zu sein, was Gott je auf Erden gewirkt hat. Aus dem Alten Testament wissen wir, daß die Patriarchen - die Männer, die in alter Zeit von Gott erwählt wurden - mit göttlicher Zustimmung mehr als eine Ehefrau hatten. Im Lauf der Entwicklung der Kirche im 19. Jahrhundert wurde dem Führer der Kirche offenbart, daß diese Form der Ehe wieder eingeführt werden solle.

Die Ankündigung dieser Lehre war ein schwerer Schock.

Die meisten bekehrten Mormonen stammten aus puritanischen Familien Neuenglands. Bald nachdem Brigham Young von der neuen Lehre gehört hatte, sah er einen Leichenzug auf der Straße vorbeiziehen, und es wird berichtet, er habe da gesagt, er würde lieber mit dem Mann im Sarg tauschen, als sich dieser Lehre stellen.

Dennoch akzeptierten die Führer der Kirche sie als Gebot Gottes. Es war keine einfache Sache. Nur die Männer von größter Charakterfestigkeit, die sich als fähig erwiesen hatten, mehr als eine Familie zu ernähren, wurde es erlaubt, eine solche Ehe einzugehen. Kaum ein Mitglied der Kirche hatte jemals mit polygamen Beziehungen zu tun. Der Brauch wurde ausschließlich als religiöser Grundsatz betrachtet.

Ende der 1880er Jahre erließ der Kongreß mehrere Anordnungen zur Unterbindung der Vielehe. Nachdem das oberste Bundesgericht der USA die betreffenden Gesetze als verfassungsmäßig erklärt hatte, zeigte sich die Kirche bereit, sich zu fügen.

Angesichts ihrer fundamentalen Lehre, daß die Gesetze des Landes zu befolgen seien, konnte sie gar nicht anders handeln. Das war im Jahre 1890. Seit damals haben die Beamten der Kirche keine Mehrfachtrauungen mehr vollzogen, und wenn Mitglieder solche Verbindungen eingegangen sind, wurden sie exkommuniziert.

Aufgrund fleißig verbreiteter Falschinformationen haben sich jedoch viele lächerliche Vorstellungen über die Vielehe gehalten und haben das wahre Bild von der Lehre der Heiligen der Letzten Tage in bezug auf die Ehe verdunkelt.

In der Gotteslehre der Mormonen ist die Ehe ein heiliger, von Gott verordneter Bund. Unter der Vollmacht des Priestertums werden Mann und Frau nicht nur für die Dauer des Erdenlebens gesetzlich getraut, sondern auch für die Ewigkeit. Diese Eheschließung kann nur in einem heiligen Tempel vollzogen werden.

Gegenwärtig hat die Kirche 47 Tempel im Gebrauch, und weitere 12 sind in Planung oder im Bau. Die Tempeltrauung wird auch nur von einigen wenigen Männern vollzogen, die dazu bevollmächtigt sind. In einigen Ländern können die Bischöfe oder andere Beamte der Kirche Ziviltrauungen vollziehen, wie es auch die Geistlichen anderer Kirchen tun.

Die Kirche hebt besonders hervor, daß die Familie etwas Heiliges ist, und lehrt, daß Kinder ein Segen des Herrn sind. Auf keinen Grundsatz legen die Heiligen der letzten Tage mehr Nachdruck als darauf, daß die Ehe ein heiliger Bund ist. In ihrer Gotteslehre steht der Ehebruch an Schwere gleich hinter dem Mord. Es wird unbedingte Sittenreinheit gelehrt, und die Kirche setzt ihre Mittel und Einrichtungen ein, um ihrer Jugend nahezubringen, daß die sittliche Reinheit notwendig und eine glückliche Ehe ein wahrer Segen ist.

 

Das Wort der Weisheit

Die Gotteslehre der Mormonen befaßt sich mit so verschiedenartigen Themen wie dem Wesen des Himmels und den Übeln des Alkohols. Ja, in ihrer Vorstellung stehen die zwei sogar in engem Zusammenhang. Der Mensch ist als Abbild Gottes erschaffen, und deshalb ist sein Körper heilig. Er soll seine Kraft dafür einsetzen, daß er sich selbst und seine Umgebung verbessert. Der Körper ist die Behausung des Geistes und wird mit ihm in der Auferstehung hervorkommen.

Kurz gesagt, der menschliche Körper ist den Mormonen heilig. Demnach bekommt es jedem Menschen schlecht, wenn er seine Gesundheit schädigt oder mißachtet. Im Licht dieser Erkenntnis wird den Mitgliedern der Kirche vom Genuß von Alkohol, Tabak und anderen schädlichen Substanzen, die Gesundheit und Wohlbefinden beeinträchtigen, abgeraten. Die Auswirkung dieser Lehre zeigt sich in der vergleichenden Gesundheitsstatistik. Laut Durchschnittszahlen leben die Mormonen länger und erfreuen sich besserer Gesundheit als andere Menschen.

 

Bildung

Bildung ist nach der Gotteslehre der Mormonen nicht nur etwas Wünschenswertes, sondern auch für den ewigen Fortschritt notwendig. Was wir hier lernen, bleibt uns erhalten, und im Jenseits werden wir weiterlernen. Es gilt, die Wahrheit zu suchen - Wahrheit auf allen Gebieten. In den Anfängen der Kirche wurde die folgende Mahnung als göttliche Offenbarung ausgesprochen: " Es ist unmöglich, daß man als Unwissender errettet werden kann. " (LuB 131:6.)

Bildung mit ihren vielfältigen Aspekten ist deshalb ein Anliegen der Kirche, die deshalb ihre Mittel großzügig für die Förderung von Schulen einsetzt. Außerdem hält sie ihre Jugend ständig zu höherer Leistung durch Bildung an.

Diese Einsicht erklärt einigermaßen, wieso die Bevölkerung von Utah auf dem Gebiet der öffentlichen Bildung einen so hohen Stand erreicht hat.

Seit den ersten Jahren ihres Bestehens in Utah hat sich die Kirche gegen den Religionsunterricht an öffentlichen Schulen gewandt. Zugleich aber hat sie anerkannt, wie notwendig neben der regulären Erziehung an Tagesschulen auch religiöse Unterweisung ist.

Um diesen Bedürfnis zu entsprechen, hat die Kirche im Bereich von öffentlichen Schulen und Universitäten Seminare und Religionsinstitute eingerichtet, wo Kurse über Altes und Neues Testament sowie über die Geschichte und Lehre der Kirche angeboten werden. Gegenwärtig gibt es diese Seminare in allen 50* Bundesstaaten der USA sowie in 60* weiteren Ländern. In Nordamerika gibt es jetzt fast 700* solche Einrichtungen, 150* davon in schönen Gebäuden in unmittelbarer Nähe von Universitäten.

Außerdem unterhält die Kirche die Brigham-Young-Universität in Provo, Utah, eine voll anerkannte Hochschule mit über 25 000* eingeschriebenen Studenten, sowie die BYU-Hochschule auf Hawaii.

Sie unterhält darüber hinaus noch Schulen und Colleges in Idaho, Neuseeland, Tonga, West- und Amerikanisch-Samoa, Tahiti, Mexiko, Indonesien und auf den Gilbert-Inseln. (* = Zahlen von 1982)

 

Wie ist das mit dem Geld?

Es mag seltsam erscheinen, daß in einer theologischen Abhandlung das Finanzgebaren der Kirche besprochen wird. Aber für den Unterhalt einer Religionsgemeinschaft - wie auch jeder anderen Organisation - ist Geld unumgänglich, und die Beschaffung des Geldes ist hier als religiöses Prinzip in der heiligen Schrift niedergelegt.

In Mormonenversammlungen gibt es keine Kollekte. Finanzielle Grundlage der Kirche ist das alte Gesetz des Zehnten. Die Heiligen der Letzten Tage akzeptieren es als göttliche Verfügung. Von jedem Mitglied wird erwartet, daß es ein Zehntel seines Einkommens zur Sache beisteuert. Dies wird, wie alle übrigen Prinzipien, als religiöser Grundsatz gelehrt.

Freilich gibt es in dieser Sache keinen Zwang.

Niemand wird exkommuniziert, weil er keinen Zehnten zahlt. Berichte darüber werden nicht veröffentlicht, die Angelegenheit ist zwischen dem Bischof und dem Betreffenden völlig vertraulich. Keinem Beamten der Kirche würde es einfallen, diesbezügliche Informationen preiszugeben.

Der auf diese Weise eingebrachte Zehnte fließt in den allgemeinen Fond der Kirche und wird dann den verschiedenen Bedürfnissen gemäß verwendet. Dazu zählen die Errichtung und der Unterhalt von Bildungsstätten, Tempeln, sonstigen Kirchengebäuden und ähnliche Erfordernisse.

Gelder für wohltätige Zwecke kommen jedoch aus einer anderer Quelle. Der erste Sonntag des Monats ist bei den Mormonen ein Fasttag. Von allen Mitgliedern wird erwartet, daß sie an diesem Tag auf zwei Hauptmahlzeiten verzichten und den Gegenwert dieser beiden Mahlzeiten für die Unterstützung der Armen spenden. Jeder auf diese Weise gesammelte Pfennig wird auch dementsprechend verwendet, in erster Linie dort, wo das Geld aufgebracht wurde.

Bleibt dann noch ein Überschuß, so fließt er in einen allgemeinen Fonds ein, den diejenigen Gemeinden in Anspruch nehmen können, deren Mittel nicht ausreichen.

 

Wie geht das kirchliche Leben vor sich?

Mit all ihren Verzweigungen erscheint die Organisation der Mormonen sehr kompliziert. Für das einzelne Mitglied aber ist der Einfluß, den die Kirche nimmt, einfach und wirkungsvoll.

Vielleicht läßt sich das kirchliche Leben am besten so verdeutlichen, daß man zeigt, wie es sich auf eine typische Mormonenfamilie auswirkt. Da die kirchliche Aktivität in Gebieten mit relativ dichter Mormonenbevölkerung am weitesten entwickelt ist, wollen wir eine Familie in Salt-Lake City als Beispiel nehmen, obgleich die gleichen Gegebenheiten auch für jeden anderen Pfahl im Bereich einer Großstadt und in vielen ländlichen Gebieten zutreffen. Die Namen der Personen und der Gemeinde sind frei erfunden, aber die beschriebene Situation entspricht den Tatsachen.

Wir haben hier die Familie Larsen. Sie besteht aus Vater, Mutter und vier Kindern, nämlich dem 22jährigen Ralph, der 17jährigen Betty, dem 13jährigen Robert und der achtjährigen Susan. Herr Larsen ist von Beruf amtlich zugelassener Wirtschaftsprüfer; er gehört einem städtische Verein an und ist in seinem Stadtteil politisch aktiv. Die Familie wohnt in einem schönen, aber einfachen Haus.

 

Wie wirkt sich die Kirche auf ihr Leben aus?

Die Familie Larsen gehört zur Gemeinde Hill Height, einer der acht Gemeinden im Pfahl Blue Ridge. Die Gemeinde zählt 600 Mitglieder, und die Larsens nennen sie ihre Gemeinde, wie sie auch von ihrem Haus sprechen.

Sie haben zur Errichtung des Gemeindehauses beigetragen und zahlen jetzt jeden Monat ihren Teil zu seinem Unterhalt. Sie sind stolz darauf, Mitbesitzer des Gebäudes zu sein. Sie fühlen sich dort zu Hause, weil sie nicht nur am Sonntag hingehen, sondern auch unter der Woche.

Herr Larsen ist einer der beiden Ratgeber des Bischofs der Gemeinde; in der modernen Geschäftssprache würde man ihn vielleicht als Vorstandsmitglied bezeichnen. Er ist seit zwei Jahren in diesem Amt und wird für unbestimmte Zeit darin verbleiben, bis er und seine Mitarbeiter mit Dank für den geleisteten Dienst entlassen werden. Dann treten drei andere Männer an ihre Stelle.

 

Am Sonntag

Am Sonntagmorgen macht sich bei Larsens alles für die Kirche bereit. Alle Versammlungen des Sonntages sind zusammengelegt, und so kann zwar jeder in seiner entsprechenden Gruppe sein, aber die Familie kann doch zusammen zur Kirche und dann wieder nach Hause fahren und die übrige Zeit miteinander verbringen. Um 9 Uhr, wenn die Larsens zur Kirche kommen, gehen Herr Larsen und sein Sohn Robert in die Priestertumsversammlung. Ralph, der älteste Sohn, ist außer Haus, und auf ihn kommen wir später noch zurück.

Robert ist Diakon, sein Vater Hoher Priester. Jeder gehört einem Kollegium an; das ist eine örtliche Gruppe von männlichen Mitgliedern, die alle das gleiche Amt im Priestertum tragen. Zu Beginn der Versammlung sind alle Männer und Jungen zusammen, um zu singen und zu beten und allgemein interessierende Fragen zu besprechen. Danach trennen sie sich, und jeder geht zur Versammlung seines Kollegiums.

Diesen Sonntag gibt der Bischof etwas bekannt, was sich an alle Männer und Jungen richtet. Er teilt mit, daß die betonierten Fußwege am Gemeindehaus arge Sprünge aufweisen und daß für die Sträucher und den Rasen ebenfalls etwas getan werden muß. Die Kirche kümmert sich seit jeher um die irdischen Angelegenheiten der Mitglieder ebenso wie um die geistigen Belange, und so ist es durchaus am Platz, wenn darüber in der Priestertumsversammlung gesprochen wird.

Die Sache ist von einem Komitee besprochen worden, und der Bischof und seine Ratgeber haben empfohlen, die Sache sofort in Angriff zu nehmen.

Bruder Miller (die Mormonen reden einander gewöhnlich als Bruder und Schwester an) kann seinen Laster und den Betonmischer für Donnerstag abend zur Verfügung stellen. Wenn alle, die dazu imstande sind mitmachen, sagt der Bischof, kann die Arbeit an einem Abend erledigt werden.

Die Jungen können mit Harke und Spaten kommen und den Rasen und die Sträucher übernehmen. Die Männer werden den alten Beton herausreißen, die Formen setzen und die Wege neu betonieren. Die Frauen von der Frauenhilfsvereinigung wollen für belegte Brote und Getränk sorgen.

Nachdem der Bischof diesen Vorschlag unterbreitet hat, bittet er um Stellungnahmen. Zwei, drei Brüder bringen zum Ausdruck, daß die Arbeit getan werden muß und das die Kollegien den Bischof unterstützen sollen, damit die Sache schnell erledigt wird.

Dann wird, wie es bei den Mormonen üblich ist, über den Vorschlag abgestimmt. Man beschließt einstimmig, daß sich die Männer und Jungen am kommenden Donnerstag zur Arbeit einfinden sollen.

Nachdem diese praktische Angelegenheit erledigt ist, trennen sich die Anwesenden, und jeder geht in sein Kollegium, wo dann über das Wohlergehen der Mitglieder gesprochen und ein von einem Fachkomitee der Kirche erarbeiteter Unterrichtskurs durchgenommen wird. In diesen Kollegiumsversammlungen findet der Geist der Brüderlichkeit seinen schönsten Ausdruck. Unter der Leitung des Kollegiums findet religiöse Unterweisung statt, wird den gesellschaftlichen Bedürfnissen der Mitglieder entsprochen und werden viele Dienstprojekte unternommen, um den von irgendeinem Unglück betroffenen Mitgliedern zu helfen oder die Hinterbliebenen von verstorbenen Kollegiumsangehörigen zu betreuen. Viel Aufmerksamkeit richtet sich auch auf die alleinstehenden Schwestern in der Gemeinde, denn diese bedürfen vielleicht ganz besonderer Fürsorge. Zwar findet die Kollegiumsversammlung am Sonntag statt, aber ihre Auswirkungen reichen vielfach in die ganze Woche hinein.

Während Herr Larsen und Robert in der Priestertumsversammlung sind, befindet sich Frau Larsen in ihrer Frauenhilfsvereinigung. das ist die Organisation der Frauen in der Kirche. Sie wurde 1842 gegründet und ist somit die älteste Frauenorganisation auf nationaler Ebene.

Das Programm der Versammlungen ist vielgestaltig. Einmal im Monat werden die geistigen Aspekte des Lebens studiert. Einmal werden die Mütter in Kindererziehung unterrichtet. An einem weiteren Sonntag wird Gesellschaftslehre durchgenommen, während die Woche darauf Kulturelles auf dem Programm steht.

Wenn es in einem Monat einen fünften Sonntag gibt, so wird an diesem der Dienst am Nächsten besprochen. Einmal im Monat wird an einem Wochentag Hauswirtschaft mit den notwendigen häuslichen Fertigkeiten gelernt.

Während der gleichen Stunde trifft sich die 17jährige Betty mit gleichaltrigen Mädchen und einer Junge-Damen Leiterin. Sie lernen und besprechen nicht nur geistige Grundsätze, sondern auch charakterliche Eigenschaften wie Selbstvertrauen und wie man sich als Freund verhält, auch wie man ein ruhendes Talent entfaltet, das einem zu persönlichem Wachstum verhilft.

Auf die Priestertums-, Frauenhilfsvereinigungs- und Junge-Damen-Versammlung folgt die Sonntagsschule. Sie erfaßt alle Mitglieder der Kirche ab zwölf Jahren. Außer Susan nimmt die ganze Familie Larsen daran teil. In der Sonntagsschule gibt es zwölf verschiedene Klassen, und der Lehrplan sieht einen vollständigen religiösen Unterricht für alle Altersgruppen und Interessen vor.

Während der Zeit, da ihre Familie sich in den entsprechenden Klassen aufhält, besucht die achtjährige Susan die Primarvereinigung. Das ist die Organisation der Kirche für die Drei- bis Elfjährigen; die Kinder empfangen hier Religionsunterricht, spielen miteinander, singen und lernen auch verschiedenen Fertigkeiten.

Nach Sonntagsschule und Primarvereinigung findet ein Gottesdienst statt, die Abendmahlsversammlung. Die ganze Familie ist anwesend. Betty und ihre Mutter singen im Chor, und manchmal leitet Herr Larsen die Versammlung. Robert, der ja Diakon ist, teilt zusammen mit anderen Jungen das Abendmahl aus.

Jeden Sonntag gibt es in diesem Gottesdienst andere Sprecher. Manchmal werden Gemeindemitglieder aufgefordert, eine Ansprache zu halten; dann wieder wird die Predigt von einem Besucher gehalten.

Gewöhnlich gibt es auch eine Fünfminuten-Ansprache von einem Jugendlichen, und sowohl Betty als auch Robert hatten schon diese Gelegenheit.

Sonntag nachmittag gehen Herr Larsen und der Bischof ins Krankenhaus, um ein schwerkrankes Mitglied der Gemeinde zu besuchen. Mit der Vollmacht des Priestertums, das sie tragen, legen sie die beiden Hände auf das Haupt des Kranken und sprechen einen Segen aus.

Am Nachmittag und Abend des Sonntages beschäftigt sich die Familie vielleicht mit Ahnenforschung, oder sie befaßt sich gemeinsam mit der heiligen Schriften, hält einen Familienrat ab oder macht Besuch bei Verwandten.

 

An Wochentagen

Montag abends bleibt die Familie Larsen zu Hause. Dieser Abend ist nämlich in der Kirche als Familienabend vorgesehen. Die Führer der Kirche haben allen Familien empfohlen, wöchentlich wenigstens einen Abend miteinander zu verbringen, um in der Familie Einigkeit und Gemeinschaft zu fördern. An diesem Abend sind keinerlei Versammlungen oder Aktivitäten der Gemeinde angesetzt, sondern jede Familie hat Gelegenheit, sich zu besprechen, miteinander etwas zu lernen, irgend etwas gemeinsam zu unternehmen.

Während der Woche nehmen Betty und Robert an einem der regelmäßigen Aktivitätsabende teil. Da haben sie die Möglichkeit zu persönlicher Entfaltung durch Laienspiel, Tanz, Erlernen von Fertigkeiten für Haus und freie Natur, Musik und Dienstprojekte. Gelegentlich gibt es gemeinsame Aktivitäten für die Jungen und Mädchen.

Robert ist Pfadfinder, und er ist stolz auf die Leistungen seiner Kirche auf diesem Gebiet. Die Mormonen haben in den Vereinigten Staaten prozentual mehr Jungen im Pfadfinderprogramm als jede andere religiöse Organisation. Im Gemeindehaus gibt es einen eigenen Raum für die Pfadfinder, und jeder Junge im Alter von elf Jahren wird angehalten, Pfadfinder zu werden.

Donnerstag abend gehen Herr Larsen und Robert zum Gemeindehaus: da ist doch die Arbeit an den Betonwegen und auf dem Grundstück angesetzt. Frau Larsen kommt später nach und wird für die Erfrischungen sorgen. Die Männer und Jungen bilden eine interessante Gruppe: alle haben alte Kleider an und freuen sich an dem gemeinsamen Erlebnis. Da ist Nelson, der Bankangestellte: Thomas, der Zahnarzt; Peters, der Vorarbeiter aus der Gießerei; Bender, der Automechaniker; VonBlon, der Philologiedozent; Miller, der ein kleines Baugeschäft hat, und noch etliche andere aus den verschiedensten Berufen. Geleitet wird die Arbeit von Bruder Lohner, einem kleinen, stets freundlichen Mann, der von Beruf Maurer ist. Um halb zehn ist der Beton gegossen, das Grundstück aufgeräumt, der Imbiß eingenommen, und alle haben eine angenehme Zeit miteinander verbracht.

Dieser Freitagabend ist ein großer Tag für Betty. da findet nämlich der Frühlingsball des Pfahles statt. Alle Gemeinden des Pfahles kommen sechsmal im Jahr in einem schön hergerichteten Mehrzwecksaal zu solchen Tanzabenden zusammen. Es spielt eine sehr gute Kapelle. Wenn man die Tanzpaare sieht - alle in Abendkleidung - würde man nicht glauben, daß es sich da um eine kirchliche Veranstaltung handelt. Der einzige Hinweis darauf ist das Anfangsgebet und daß weder geraucht noch getrunken wird sowie die geschmackvolle dezente Kleidung. Es herrscht eine ruhige und kultivierte Atmosphäre, aber weder die Tänzer machen einen düsteren Eindruck, noch haben sie irgend etwas frömmelndes an sich. Sie unterhalten sich großartig.

Samstag nachmittag gehen Robert und sein Vater auf das der Gemeinde gehörende Ackerland, um Erbsen anzubauen. Die fünfzig Männer, die daran beteiligt sind, haben die Arbeit bald erledigt. In den kommenden Wochen wird es aber noch viel zu tun geben, denn die Gemeinde hat unter anderem den Auftrag acht Tonnen Erbsen für das Wohlfahrtsprogramm der Kirche zu liefern.

Der größte Teil des Bedarfs der Hilfsbedürftigen wird jetzt im Rahmen dieses Programms gedeckt. Die gemeinsamen Anstrengungen der Familie Larsen ihrer vielen tausend Mitarbeiter in vielen Gebieten machen dies möglich.

So sieht vielleicht eine Woche für die Familie aus - Sonntag bis Samstag. Aber die Kirche berührt ihr Leben auch noch auf andere Weise.

Betty wird auf die Universität gehen. Nach den Vorlesungen wird sie ins Institut hinübergehen, das von der Kirche auf dem Universitätsgelände eingerichtet worden ist. Da trifft sie sich mit anderen Gleichgesinnten zu einem Kursus über das Neue Testament, den anerkannte Fachlehrer halten. Das ist die Fortsetzung des Seminarprogramms für Oberschüler, an dem sie jetzt teilnimmt.

Sie hätte sich an der von der Kirche unterhaltenen Brigham-Young-Universität um einen Studienplatz bewerben können, hat sich aber für die staatliche Universität entschieden, weil sie dann daheim wohnenbleiben kann.

 

Was ist mit Ralph?

Bisher ist nichts über Ralph, den 22jährigen ältesten Sohn, gesagt worden.

Er ist in Japan, wohin die Kirche ihn auf Mission geschickt hat. Er war zwei Jahre beim Militär, mehrere Monate davon in Übersee. Nach seiner Entlassung sprach sein Bischof ihn wegen einer Mission an. Er hatte ja schon einiges Geld gespart und sich die Mission vorgenommen. Er wollte gern gehen. Wenn seine eigenen Ersparnisse nicht ausreichen, wird ihm sein Vater schicken, was er braucht. Sollte es notwendig sein, wird ihm auch sein Priestertumskollegium helfen.

Ohne Entschädigung von seiten der Kirche ist er für 2 Jahre unterwegs und predigt das Evangelium. Mehr als 47 000 junge Männer und Frauen sowie Ehepaare im Rentenalter leisten Missionsdienst. Wenn Ralph mit seiner Mission fertig ist, kehrt er wieder nach Hause zurück. dann will er sein Studium an der Uni abschließen und sich als Anwalt niederlassen.

In kurzen Umrissen ist dies die Beziehung der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage zur Familie Larsen - und weiteren Tausenden Familien in vielen Teilen der Welt. Das Programm der Kirche soll die geistigen Bedürfnisse ihrer Mitglieder decken, ihnen Gelegenheit zu Entwicklung und Fortbildung geben und, falls es notwendig werden sollte, wirtschaftliche Unterstützung zuteil werden lassen. Alles zielt darauf ab, sie zu besseren Bürgern, besseren Nachbarn, besseren Freunden zu machen.

 

Von wem werden sie geführt?

In ihrer Grundstruktur geht die Kirche auf die Zeit des Neuen Testaments zurück. Im Hinblick auf ihre höchst wirksame Arbeitsweise wird sie oft als ausgesprochen modern bezeichnet. Darin liegt aber kein Widerspruch.

Die Mormonen stehen auf dem Standpunkt, daß die Grundorganisation der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage die gleiche ist wie in der Kirche, die ursprünglich von Christus gegründet wurde.

Gleich zu Beginn seines Erdenwirkens berief Jesus zwölf Männer und ordinierte sie zu Aposteln. Er gab ihnen Macht, Kranke zu heilen, Tote aufzuerwecken, die Verordnungen des Evangeliums zu vollziehen. " Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben " (Matthäus 10:8), das schärfte er ihnen ein.

Dann sandte er sie in die Städte Israels, um von ihm und seinen Reich Zeugnis zu geben. Drei von ihnen - Petrus, Jakobus und Johannes - treten in der heiligen Schrift als Führer hervor, besonders nach dem Tod und der Auferstehung des Erlösers.

Der Herr berief auch noch weitere siebzig, die bei der Arbeit helfen sollten, und er sandte sie paarweise aus; sie erhielten Vollmacht, für ihn zu sprechen.

Ihr Dienst war von Erfolg gekrönt; das geht aus der Schriftstelle hervor, wo es heißt, die siebzig "kehrten zurück und berichteten voll Freude" (Lukas 10:17).

Nach Jesu Tod wurde das Werk über die Grenzen Israels hinausgetragen, zuerst nach Syrien, dann nach Kleinasien, schließlich nach Griechenland und Rom.

Das Werk wurde mit soviel Erfolg verbreitet, daß Paulus dreißig Jahre später sagen konnte, das Evangelium sei in der ganzen Schöpfung unter dem Himmel verkündet worden.

Als vielerorts Gemeinden der Kirche gegründet wurden, berief man Bischöfe und Älteste, die diesen Einheiten vorstehen sollten. Auch andere Ämter im Priestertum wurden besetzt. Paulus erwähnte ausdrücklich Apostel und Propheten, Bischöfe, Älteste, Evangelisten, Priester, Lehrer, Diakone und Hirten. Er erklärt auch, wie notwendig diese Ämter in ihrem gegenseitigen Verhältnis sind, um das gemeinsame Ziel zu erreichen - " um die Heiligen für die Erfüllung ihres Dienstes zu rüsten, für den Aufbau des Leibes Christi. So sollen wir alle zur Einheit im Glauben und in der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, damit wir zum vollkommenen Menschen werden und Christus in seiner vollendeten Gnade darstellen. " (Epheser 4:12f.)

Die Schrift klärt auch noch einen weiteren wichtigen Punkt in Bezug auf diese Ämter in der Kirche. Jesus sagte zu seinen Aposteln: " Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und bestimmt... " (Johannes 15:16), und Paulus vertieft diesen Gedanken noch, indem er sagt: " Keiner nimmt sich eigenmächtig diese Würde, sondern er wird von Gott berufen gleich wie Aaron. " (Hebräer 5:4) Damals, in den ersten Jahren, erhielten die Menschen in der Kirche ihr Amt nicht nach eigenem Ermessen, sondern indem sie von denen ausgewählt und ordiniert wurden, die vom Herrn die Kraft und Vollmacht dazu empfangen hatten.

Die Heiligen der Letzten Tage glauben, daß eben diese Organisation mit ihren Ämtern auf Erden wiederhergestellt worden ist und daß man diese Ämter mit demselben Geist ausüben soll wie in alter Zeit. Sie glauben ferner, daß in dieser Organisation der Schlüssel zur wirksamen Führung der Kirche liegt.

 

Allgemeine Beamte

In der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage gibt es drei Organisationsebenen: eine allgemeine, eine regionale und eine örtliche. Über die Angelegenheit auf der ganzen Welt präsidiert ein Rat aus normalerweise drei Männern, die Erste Präsidentschaft, die aus einem Präsidenten und zwei - gelegentlich auch mehr - Ratgebern besteht.

Diesen Männern steht das Kollegium der Zwölf Apostel zur Seite, die eigens berufen sind, " besondere Zeugen des Namens Christi in aller Welt zu sein " (LuB 107:23).

Sie bilden einen reisenden Rat, der die Aktivitäten der Organisation in aller Welt leitet. Der Präsident der Kirche wird aus der Reihe der Zwölf erwählt.

Zwei weitere Kollegien vervollständigen die Zahl der Generalautoritäten. Eines davon ist das Erste Kollegium, das aus bis zu 70 Männern besteht; sie sind besonders zum geistlichen Dienst berufen, und sieben aus ihrer Zahl sind als Präsidenten über sie gesetzt. Diese Männer haben den gleichen Auftrag, den Jesus damals den von ihm berufenen siebzig gegeben hat, nämlich das Evangelium zu verkünden. Unter der Leitung der Ersten Präsidentschaft und der zwölf Apostel helfen sie mit, die Arbeit der Kirche auf der ganzen Welt zu regeln.

Ein Gremium aus drei Männern, die Präsidierende Bischofschaft, befaßt sich mit dem Realbesitz der Kirche. Unterstützt von Architekten, Fachleuten der Landschaftsgestaltung, Ingenieuren und anderen Experten, betreut sie die weit verstreuten Gebäude und Einrichtungen der Kirche.

Die Präsidierende Bischofschaft beschäftigt sich aber nicht nur mit solchen Angelegenheiten zeitlicher Art. Diese Männer erhalten reguläre kirchliche Aufträge und reisen in die Ganze Welt, um das geistige Wohlergehen der Heiligen zu fördern.

Neben diesen allgemeinen Beamten stehen Führungsbeamte und Hauptausschüsse an der Spitze der einzelnen Hilfsorganisationen. Sie lenken die Arbeit dieser Organisationen weltweit, setzen Richtlinien fest und nehmen auf die Aktivitäten der örtlichen Gruppen durch persönliche Besuche Einfluß. Die Mitglieder dieser Ausschüsse sind qualifizierte Fachleute, die nach ihren Fähigkeiten ausgewählt werden.

Der Präsident der Kirche wird durch den Geist der Offenbarung berufen, der auf die Mitglieder des Kollegiums der zwölf Apostel einwirkt; er wird aus dieser Körperschaft erwählt. Diese Entscheidung muß aber den gesamten Mitgliedern der Kirche zur Bestätigung durch Abstimmung vorgelegt werden. Dieses Prinzip der allgemeinen Zustimmung gilt für alle Ämter: Niemand kann ohne die Zustimmung derer, über die er präsidiert, ein Amt ausüben. Zu den festen Tagesordnungspunkten bei allen Konferenzen gehört die Bestätigung der Beamten der betreffenden Organisation.

 

Pfahlbeamte

Die regionale Organisation ähnelt der Struktur auf der höchsten Ebene. Sogenannte Gebietsautoritäten, die ihre Arbeit ehrenamtlich verrichten, helfen mit, die Führerschaft jeweils mehrerer Pfähle zu beaufsichtigen und zu schulen. Einem Pfahl steht ein Gremium von drei Männern vor - ein Präsident und zwei Ratgeber. Ihnen wiederum steht ein Rat von Zwölf Männern zur Seite.

Pfahlausschüsse sind den einzelnen Hilfsorganisationen in den Gemeinden und Zweigen behilflich.

Diese Ausschüsse setzen sich aus hervorragenden Lehrern und administrativen Führen aus den einzelnen Gemeinden zusammen. Bei ihren Besuchen in den örtlichen Einheiten treffen sie sich mit den entsprechenden Beamten und schulen diese, vor allem in Methodik, um sie auf diese Weise ständig bei der Lösung ihrer Probleme zu stützen und ihre Lehrtätigkeit zu verbessern.

 

Die örtliche Organisation

Wie schon erwähnt, ist die Gemeinde die örtliche Einheit der Kirche. Der sogenannten Bischofschaft aus drei Männern steht eine große Zahl von Beamten und Lehrern zur Seite. Jeder hat eine bestimmte Aufgabe. Für den Bischof und seine zwei Ratgeber wäre es unmöglich, die Mitglieder öfter als einmal im Jahr zu besuchen. Daher hat die Bischofschaft Männer unter sich, die als Heimlehrer berufen sind. Diese arbeiten zu zweit und besuchen jeweils nur ein paar Familien, aber mindestens einmal im Monat. Sie überbringen Mitteilungen von der Bischofschaft und stellen auch fest, ob eine Familie Hilfe braucht. Gibt es finanzielle Schwierigkeiten oder ist jemand krank, so machen sie Meldung, damit geeignete Schritte zur Hilfe unternommen werden können. Außer den Heimlehren werden jedem Haushalt, wo es eine Frau gibt, noch zwei Besuchslehrerinnen von der Frauenhilfsvereinigung zugeteilt. Diese überbringen jeden Monat eine ermutigende Botschaft und festigen die Verbundenheit der Schwestern untereinander.

Jedes Priestertumskollegium in der Gemeinde oder im Pfahl hat eine Präsidentschaft, einen Sekretär und verschiedene Komitees zur Betreuung der Mitglieder.

In den Hilfsorganisationen gibt es auch jeweils eine Leitung aus drei Personen, dazu Sekretäre und Lehrkräfte.

In der demokratischen Grundhaltung dieser Organisationen läßt sich das Charakterliche des Mormonismus erkennen. Jeder in der Kirche, der dazu bereit und imstande ist, hat etwas zu tun. Bei dieser Arbeit hat er reichlich Gelegenheit, seine Talente zu verwerten und anderen zu dienen. Jeder hat eine Aufgabe, und bei der Erfüllung dieser Aufgabe lernt und arbeitet er. Dabei aber nimmt auch seine Anteilnahme an der Sache zu.

Das Ergebnis ist eine Organisation von hochqualifizierten Führungskräften. Ein finanzieller Anreiz für diesen Dienst ist nicht vorhanden, vielmehr müssen dafür sogar beträchtliche Opfer an Zeit und Mitteln gebracht werden. Aber gerade daraus erwächst das wahrhaftige christliche Ideals des Dienens.

Die Männer und Frauen, die die vielen Aufgaben innerhalb der Kirche erfüllen, sind ganz gewöhnliche Mitbürger. Ihre ungewöhnliche Fähigkeit ergibt sich daraus, daß sie an das Evangelium Jesu Christi glauben und bereit sind, ihm mit ihrer Arbeit und ihrem Einsatz zum Erfolg zu verhelfen.

ormoneninfo

Ein Informationsangebot über die Kirche Jesu Christi     der Heiligen der Letzten Tage

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