Aufbruch in eine neue Welt.

Karl Mäser

ein deutscher Schulmeister unter den Mormonen

Eine Einführung in die Ausstellung von Wolfgang Böser

Die Auswanderung vieler Deutscher im 19. Jahrhundert in die Vereinigten Staaten von Amerika steht im Mittelpunkt der Gifhorner Schloßfestspiele 2001. Auch wenn diese, in aller Regel aus akuten sozialen Notlagen heraus erfolgten, Auswanderungen in die Neue Welt nun schon gut 150 Jahre zurückliegen und damit längst ein Stück Geschichte sind, so wird mit diesem Thema dennoch eine brandaktuelle Problematik aufgegriffen. Man denke nur an die bundesweit geführten Diskussionen um die Fragen, ob sich Deutschland künftig zu einem Einwanderungsland entwickeln müsse, wie dann der Zuzug gesetzlich reguliert werden solle und was für das Gelingen einer reibungslosen Integration dieser Neubürger und gegen das Aufkeimen von Ausländerfeindlichkeit zu tun sei.

Das Schulmuseum Steinhorst beteiligt sich an den Gifhorner Schlossfestspielen 2001 mit einem eigenständigen Ausstellungsprojekt. Im Mittelpunkt dieser Sonderausstellung steht der sächsische Schulmeister Karl Mäser, der 1856 seiner alten Heimat den Rücken kehrte und es in der Neuen Welt zu großem Ansehen brachte. Mäsers Entschluß, Dresden zu verlassen, beruhte nicht auf wirtschaftlichen Nöten, sondern war in erster Linie religiös motiviert: durch Zeitungsnotizen war er mit der erst 1830 in den Vereinigten Staaten gegründeten Glaubensgemeinschaft "Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage" in Berührung gekommen, für die sich nach dem von ihnen als Heilige Schrift angesehenen Buch Mormon der Begriff "Mormonen" eingebürgert hatte. Die neue Lehre beeindruckte ihn zutiefst: Er brach mit der lutherischen Kirche, trat als erster Sachse dieser neuen Religionsgemeinschaft bei und emigrierte mit seiner Familie in die Vereinigten Staaten, nicht zuletzt deshalb, weil zu dieser Zeit die Mormonen ihre Glaubensbrüder und -schwestern in Amerika zu konzentrieren suchten. Allerdings: als bekennender Mormone hätte er auch in Sachsen als Schulmeister keine Zukunft gehabt, unterstand doch das Schulwesen der Kirche. Als "Abtrünniger" und Mitglied einer wegen ihrer religiösen Grundsätze heftig bekämpften Glaubensgemeinschaft wäre er unweigerlich aus dem Schuldienst entlassen worden. Mäser schloss sich 1860 einem der legendären Wagentrecks quer durch die USA an und ließ sich schließlich in Salt Lake City, dem "Neu Jerusalem" der Mormonen nieder, eröffnete schon bald eine Schule, wurde wenige Jahre später zum Hauslehrer der Kinder des Mormonenführers Brigham Young berufen und schließlich mit der Gründung einer Kirchenakademie beauftragt, aus der eine der größten Privatuniversitäten der Vereinigten Staaten, die Brigham Young-Universität, hervorgegangen ist. 35 Jahre nach seiner Ankunft als mittelloser deutscher Einwanderer in Salt Lake City wurde ihm schließlich mit der Entsendung in die verfassunggebende Versammlung des Staates Utah eine ganz besondere Ehre zuteil. Während Karl Mäser, der 1901 starb, nicht nur bei den Mormonen, sondern in ganz Utah noch heute in hohem Ansehen steht, ist er bei uns weitgehend unbekannt. Die Ausstellung zeichnet anhand zum Teil noch nie in Deutschland gezeigter Dokumente den Lebensweg dieses Auswanderers nach, der es zwar nicht vom "Tellerwäscher zum Millionär" brachte, wohl aber zum "Vater des Bildungswesens" des Bundesstaates Utah.

Über die Person Mäsers hinaus beleuchtet die Sonderausstellung auch ein Stück weit die Geschichte der Mormonen allgemein und insbesondere deren Wirkungsgeschichte in der deutschen Abenteuerliteratur des 19. und 20. Jahrhunderts. Sie berührt dabei zugleich auch ganz allgemein die Träume und Hoffnungen vieler Auswanderer vor 150 Jahren und kontrastiert sie mit der weit weniger romantischen Realität, die diese in der Neuen Welt schließlich vorfanden. Zahlreiche deutschsprachige Schriftsteller, darunter so bekannte wie Karl May, Wilhelm Raabe und Arno Schmidt, setzten sich in Romanen wie Sachbüchern mit der Geschichte und Lehre der Mormonen auseinander, schilderten mehr oder minder sachlich ihre Sitten und Bräuche und befassten sich vor allem natürlich auch gern mit der von ihnen eine Zeitlang offiziell propagierten Institution der Mehrehe (Polygamie).

Die Ausstellung "Karl Mäser - ein deutscher Schulmeister unter den Mormonen" basiert in erster Linie auf der umfangreichen Sammlung und auf den jahrelangen Recherchen des Bargfelder Sammlers und Antiquars Hermann Wiedenroth. Darüber hinaus haben zahlreiche Institutionen und Privatpersonen in Deutschland, Frankreich und den Vereinigten Staaten mit ihren Leihgaben zum Gelingen dieses Ausstellungsprojektes beigetragen. Hierfür sei allen Leihgebern ganz herzlich gedankt!

Für Interessierte finden am 20. Juni und am 7. August jeweils um 19 Uhr spezielle Führungen durch die Sonderausstellung statt. Im Rahmen des Lesesommers schließlich widmet sich am 17. Juli um 20 Uhr eine Lesung mit Hermann Wiedenroth dem Thema "deutsche Auswanderer in Karl Mays Romanen".

 

Eintritt frei !

Öffnungszeiten: Di - Fr 14:00 -16:00 Sa und So  11:00 - !7:00       Vormittags für Gruppen nach Anmeldung

Marktstr. 20   29367 Steinhorst  Telefon (05148 )4015

ormoneninfo

Ein Informationsangebot über die Kirche Jesu Christi     der Heiligen der Letzten Tage

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